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Candide ou l'optimisme (1759)

Einführung

Candide am DrahtVor genau 250 Jahren erschien Voltaires philosophischer Roman Candide ou l'optimisme. Im Zusammenhang mit dem Erdbeben von Lissabon im Jahre 1755, das er kurz zuvor im Poème sur le désastre de Lisbonne beklagt, weist Voltaire die optimistische Weltanschauung seiner Epoche zurück. Der vor allem von Leibniz postulierte Theodizeegedanke, der Gott angesichts des Übels in der Welt zu rechtfertigen sucht, wird in seinem Werk ad absurdum geführt: die Überzeugung der Helden des Romans, sie lebten in der besten aller Welten, wirkt spöttisch und ironisch angesichts ihrer Abenteuer.

Inhalt

Der naiv-liebenswürdige Held Candide (französisch für arglos, unbedarft) lebt glücklich und zufrieden auf dem (allerbesten) Schloss des (allerbesten) westfälischen Barons von Thunder-ten-tronckh bis zu dem Tag, an dem seine Liebe zu seiner Tochter Cunégonde auffliegt. Er wird vom Schloss, dem „irdischen Paradies“ verbannt und gerät seitdem, mehr oder weniger zufällig, in immer abstrusere Situationen.

So entkommt er mit viel Glück bulgarischen Soldaten, die einen grausamen Krieg führen. Kurz danach kentert er in Lissabon, wo er Zeuge des verheerenden Erdbebens wird. Angesichts der grausamen Umstände stellt sich Candide, der in der besten aller Welten zu leben glaubt, zum ersten Mal die Frage nach der Vereinbarkeit der Güte Gottes mit dem Übel in der Welt.. Von dort flüchtet er über Cadiz nach Paraguay und gelangt schließlich nach El Dorado, jenen utopischen Ort, in dem Toleranz und Glück nicht als Theorie existieren, sondern tatsächlich gelebt werden. Doch Candides Reise endet dort nicht, denn er hat eine wichtige Mission zu erfüllen, nämlich seine geliebte und inzwischen verschleppte Cunégonde zu finden. In Begleitung des pessimistischen Martin wird Candide allmählich kritischer und schenkt der optimistischen Philosophie nach all dem Leid, das er gesehen hat, kaum noch Glauben. In Konstantinopel findet er schließlich seine Geliebte wieder, die grauenvoll verstümmelt ist: Er heiratet sie dennoch. Er kauft für sich und seine Begleiter ein Landgut, in dem sich alle niederlassen und ein bodenständiges Landleben von nun an führen sollen. Candides Erkenntnis am Ende des Romans lautet: „Il faut cultiver notre jardin“ (dt.: „Man muss unseren Garten pflegen“), eine Aufforderung bzw. Feststellung, die dem Leser jedoch keine Lösung vorgibt.

Fragestellungen

Wie ist das doch pessimistisch wirkende Ende das Romans zu verstehen? Ist aus dem naiven Optimisten Candide ein pessimistischer Skeptiker geworden oder findet er sein Glück beim Bestellen des Bodens, also in der Natur? Diese und ähnliche Fragen sollen beim ersten Gesprächskreis der Voltaire-Gesellschaft erörtert und diskutiert werden.

Literaturvorschläge

  • Candide — oder der Optimismus. Hrsg. von Heinz-Joachim Fischer, Dt. Übersetzung von Ulrich Bossier, Marix Verlag, Wiesbaden 2006, ISBN 3-86539-094-3
  • Candide oder Die Beste der Welten. Dt. Übertragung und Nachwort von Ernst Sander. Philipp Reclam jun., Universal-Bibliothek Nr. 6549, Stuttgart 1971, ISBN 3-15-006549-6

Quelle

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